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Kolumne: Über immobiliären Liebeskummer

Letzte Woche hatte ich Liebeskummer. Richtig, richtig fiesen, solchen, der dir immer wieder ins Auge springt und im Herz auf und ab, der dich nicht in Ruhe lässt weil dich alles daran erinnert, solchen, für den dich alle mitleidig und verständnisvoll angucken aber gleichzeitig etwas schief, denn du solltest mit deinen 26 Jahren doch mittlerweile wissen, dass das oft genug schneller vorbei geht als du gucken kannst.

Ich hatte Liebeskummer wegen einer Wohnung, und nur wenige werden so richtig verstehen können, was ich damit meine. Vermutlich nur die, die selbst schon mal in einer wildfremden Wohnung standen und dieses warme Wehen im ganzen Körper gespürt haben, kein Kribbeln, denn es hat nichts mit Verzückung und Glitzer zu tun was hier passiert, sondern mit einem ruhigen und beruhigenden Summen, das nach Heimat klingt. So ging es mir mit dieser Wohnung mit ihren knarzenden Dielen im Flur, dem traumhaften Bad und der perfekt unperfekten Küche, in der ich zum Abwaschen vermutlich auf einem Schemel hätte stehen müssen wie damals beim Zähneputzen.

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Ich gebe zu, ich hatte meine Zweifel im ersten Moment, weil sie etwas über Budget lag und ich kurz dachte, wir übernehmen uns. Aber spätestens als ich realisierte dass das nicht an der Wohnung lag und nicht am Budget, sondern vielleicht mit dem überwältigenden Gefühl zusammenhing endlich das gefunden zu haben was ich wirklich wollte, da waren alle Zweifel weg (so wie es ganz manchmal auch bei den Männern ist, dachte ich mir insgeheim), und dann war ich auf einmal ganz und gar sicher. Und es hätte auch nicht so weh getan, wenn das erste Feedback nicht so gut gewesen, wenn sich der Flirt nicht so safe angefühlt hätte; einem Mann würde man jetzt vorwerfen, dass er dann nicht mehr hätte schreiben, nicht zum Flughafen hätte kommen, sich nicht den Lieblingswein hätte merken sollen, nicht all diese Kleinigkeiten hätte machen sollen, die einen sich in Sicherheit wiegen lassen, wenn er am Ende doch kein ernstes Interesse hat. Einer Wohnung kann man solche Vorwürfe nicht machen. Sie schweigt und lässt andere bei sich einziehen.

Und wie es so ist mit Liebeskummer – ein bisschen Schreien, ein bisschen Strampeln, ein bisschen alte Serien gucken und irgendwann erwischt man sich dabei, wie man trotz allem Elend laut lacht. Wie man plötzlich der Freundin nickend beipflichtet, sicher, andere Vermieter haben auch schöne Wohnungen, allein schon aus Pflichtgefühl, weil sie sich das Gezeter jetzt lange genug angehört hat. Und dann geht es bald wieder. Manchmal ziept es noch, besonders, wenn vor dem You Tube Video der ätzend gut gemachte Werbeclip von Immoscout aufpoppt, aber manchmal überwiegt auch die Hoffnung und Vorfreude auf die anderen Wohnungen, die da noch so kommen. Die mit dem großen Balkon und der offenen Küche. Die direkt neben dem Lieblingscafé. Wer weiß.

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2 Kommentare

  1. ich kenne das nicht von wohnungen, aber von reisen, die aus welchem grund auch immer nicht zustande kommen. schräg, schräg.

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